Yusuf Islam mit Radiosendung im britischen Rundfunk (BBC) während des Ramadan

Was kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland von der altehrwürdigen BBC in Großbritannien lernen? Beispielsweise, wie man marginalisierten Stimmen mit einer Sondersendung im Ramadan und einem bekannten Muslim aus der Community etwas Spiritualität bescheren kann.

Vergangene Woche hat es ein Novum in der Geschichte der British Broadcasting Corporation (BBC) gegeben. Erstmals hat ein namhafter und international bekannter Muslim im britischen Radio seine Gedanken geteilt, aus dem Koran zitiert und sich auch zum gesegneten Fastenmonat Ramadan geäußert.

Yusuf Islam, der der westlichen Welt als Cat Stevens bekannt ist und 1977 zum Islam konvertiert ist, hat sich für die exklusive Reihe von insgesamt vier Beiträgen im BBC Radio verpflichten lassen. In den Beiträgen, die unter der bekannten religiösen Reihe “Reflections” laufen, soll freitags mit einem 10-minütigen Beitrag ein Ramadan-Special ausgestrahlt werden. Gerade in Zeiten von Corona auch ein Beitrag für die muslimische Community.

Gedanken, Koran, Interpretation und Musik

In der ersten Sendung von “Islamic Reflections” am 1. Mai 2020 wurde Yusuf Islam zunächst vorgestellt und es ging dann auch direkt zur Sache. Islam präsentierte seine Gedanken und seine Sicht der Dinge zu den Themen Offenbarung, Schöpfung, Sterblichkeit und Spiritualität. Er las und zitierte aus dem Koran und spielte am Ende auch wieder Musik.

Allein der Auftritt im britischen öffentlichen Rundfunk sorgte für Kontroversen, steht der bekannte Muslim doch immer wieder öffentlich für sein Engagement (islamische Schulen) und seine Meinungen in der Kritik. Doch dem Ansehen der altehrwürdigen BBC schadet es nicht, einer bekannten und in der muslimischen Community beliebten Stimme 10 Minuten in der Woche im Ramadan zu geben.

Keine Sondersendungen mit bekannten und beliebten Muslim*innen im Ramadan in Deutschland

Im Gegenteil: Muslim*innen in Großbritannien können sich glücklich schätzen, dass auch im öffentlichen Rundfunk Sonderprogramme speziell für sie konzipiert und mit Menschen aus der muslimischen Community besetzt werden. In Deutschland sitzen in den wenigen Formaten, die es gibt, meist Fachspezialisten und “Islam-Kritikter*innen”. Wirkliche und spirituelle Themen kommen so gut wie gar nicht vor. Dabei wäre auch ein Ramadan-Special im deutschen Hörfunk leicht und unkompliziert umsetzbar.

Es fehlt jedoch an einem echten Willen der Intendanten und der Politik eine auf Verkündung und Spiritualität ausgelegte Sendung von Muslim*innen für Muslim*innen zu etablieren. Die Reichweite des Beitrags von Yusuf Islam beschränkt sich übrigens nicht auf einen einzigen Kanal. Die BBC stellte die Sendung nicht nur Online, sondern strahlte “Islamic Reflections” auch über 14 lokale Radiostationen aus. Von so viel Reichweite und Unterstützung für eine muslimische Stimme können Muslim*innen in Deutschland nur träumen.

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