Es ist ein einfacher Beitrag, den eine bekannte muslimische Influencerin in ihrer Story auf Instagram teilt: “Jetzt gibt es auch eine Bank für uns!” lautet der Tenor. Tatsächlich macht die junge Frau, die selbst vor einigen Jahren zum Islam konvertiert ist, Werbung für insha. Es ist unklar, ob sie dafür bezahlt wird. Die Story ist nicht als Werbung gekennzeichnet. Immerhin folgen der Muslima rund 40.000 User*innen zu diesem Zeitpunkt, daher erregt der Beitrag auch viel Aufmerksamkeit.

insha ist nicht neu auf dem deutschen Markt. Die digitale Bank, ein Joint Venture der Albaraka Turk und der Solarisbank in Berlin, gibt es schon seit 2018. Sie wird als GmbH nach deutschem Recht geführt und die Einlagen sind über die Solarisbank in Deutschland im gesamten EU-Raum bis 100.000 € gesichert. Aktuell stößt man immer wieder auf insha. Die Bank hat ihr Marketing in Deutschland ausgeweitet und scheint dabei auf Native Ads und Influencer-Marketing setzen. Nicht nur Influencer*innen, sondern auch seriöse Medien wie t3n machen daher auf das Angebot von insha aufmerksam.

insha positioniert sich als soziale Bank für Muslim*innen und alle anderen

Und das Marketing von insha bleibt nicht auf gängigen Slogans wie “islamic” oder “halal” Banking sitzen. Tatsächlich bemüht sich das Unternehmen aktuell um ein klares Image als nachhaltige, soziale, zuverlässige und prinzipientreue Bank, die Muslim*innen und allen anderen offen steht, die diese Prinzipien teilen möchten. Dabei werden Themen wie Waffen, Glücksspiel oder Drogen ausgeschlossen. Zugleich konzentriert man sich auf den Service und die Möglichkeiten über die Karte und die App. Der Markt für solche Banken ist in Deutschland groß, das zeigt nicht zuletzt der Erfolg von N26.

Wer insha nutzen möchte, braucht zwingend ein Smartphone und die insha-App. Die Bank selbst liefert über die Solarisbank eine gängige Debit-Mastercard. Die Kontoführung und auch die Eröffnung kostet die Kund*innen zunächst nichts. Damit ist insha im Prinzip nicht anders aufgestellt als andere Fin-Tech-Banken, wie N26 oder Revolut. Es gibt keine Filialen. Man kann bis zu dreimal im Monat kostenlos Geld an jedem beliebigen Geld-Automaten abheben, danach werden Gebühren fällig. Umsätze über die Karte werden sofort gebucht, ohne Verzögerung.

Vorteil gegenüber anderen Fintechs?

Gerade dieses Feature findet vor allem bei jüngeren Konsumenten, die eh mit dem Handy ständig unterwegs sind, gefallen. Dazu gibt es dann einige Vergünstigungen und Möglichkeiten, beispielsweise Überweisungen in nicht-EU-Länder oder die Türkei (gegen Aufpreis). Die App bietet kleinere Vorteile, beispielsweise einen Qibla-Finder, einen Moscheefinder, eine Gebetszeitenapp oder auch einen Zakat-Rechner. insha positioniert sich im Markt jedoch nicht ausschließlich islamisch, sondern flexibel. Es ist eine Bank, die sich primär an Muslim*innen richtet, gleichzeitig aber offen bleibt, für alle Interessierten.

Einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Banken hat insha nur gegenüber klassischen Banken. Gerade beim “islamic” Banking ist jedoch die KT Bank AG, eine Tochter Kuveyt Türk Bank, insha weiterhin voraus. Denn neben einem digitalen Angebot bietet die KT Bank auch Kundenservice in Form von mehreren Filialen, die außerdem langfristig auch in ganz Deutschland ausgebaut werden sollen. Andere Banken, die als Fintech, auf das gleiche System wie insha setzen, sind ebenfalls weiter. Neben einem großen Kundenstamm sind die Benefits deutlich präsenter in den Köpfen.

Es fehlt insha an einem stärkeren Profil und klarer Abgrenzung

insha ist ein gutes Produkt und durchaus empfehlenswert. Das Fintech wächst und dürfte in Zukunft auch mehr Kund*innen erreichen. Es bleibt aber abzuwarten, ob sich eine Bank, die als eine Alternative gedacht ist, gegenüber anderen Bank-Alternativen etablieren kann. insha muss sein Profil weiter schärfen, das Marketing auch stetig weiter denken und ausbauen. Daran scheint man gerade auch zu arbeiten, was sich auch an der verstärkten Wahrnehmung bemerkbar macht.

Es braucht aber mehr, wenn man Menschen in Deutschland zum Wechsel der Hausbank bewegen möchte. Deshalb bleibt der Ausgang insgesamt ungewiss. Jedoch sollte die Influencer*innen-Werbung kritisch betrachtet werden. Kaum eine dieser Personen, die aktuell dafür werben, hat auch wirklich ein Konto bei insha.

Offenlegung: Der Autor ist Marketing-Manager und hat ein Zweit-Konto bei N26. Er kennt sich daher mit Fintechs und den Möglichkeiten entsprechend aus. Außerdem hat er im Jahr 2015 freiberuflich für die KT Bank AG gearbeitet und ein Webprojekt realisiert. Zu diesem Beitrag fühlte er sich aufgefordert, nachdem er schon einmal einen Beitrag über N26 auf seinem privaten Blog verfasst hat.

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