Infak, aber auch ʾInfāq, arabisch: إنفاق bedeutet übersetzt so viel wie “auf dem Wege Allahs (swt) spenden” oder “Spenden um Allahs (swt) Wohlgefallen zu erlangen.” Gute Muslim*innen zeichnet aus, dass sie mit ihrem Geld und ihrem Vermögen nicht geizig umgehen, sondern bereitwillig und großzügig spendabel umgehen. Gute Muslim*innen sind immer großzügig. Infak ist daher auch ein sehr wichtiges und sensibles Thema in der Glaubenspraxis von Muslim*innen. Diese wichtige Form der gottesdienstlichen Handlung (ibadat) bestimmt nämlich einen muslimischen Lifestyle, der sich bewusst dem Konsumgeist der heutigen Moderne entzieht und widersetzt.

Dabei steht für Muslim*innen das Teilen und Spenden im Vordergrund. Infak beschreibt als religiöser Begriff, das Spenden vom eigenen Vermögen für arme und bedürftige Menschen, um Allahs (swt) Wohlgefallen zu erlangen. Infak umfasst aus dieser Sicht sowohl die Pflichtabgabe Zakat als auch jede andere gute Tat, die aus freiem Willen und Antrieb getätigt wird und in der das Spenden im Vordergrund steht.

Reichtum: Von Allah (swt) anvertraut

Aus islamischer Sicht ist der wahre Besitzer des persönlichen Reichtums immer Allah (swt). Reichtum ist ein anvertrautes Gut des Schöpfers an die Menschen. Und deshalb ist es nötig, an diesem Reichtum auch andere teilhaben zu lassen, damit ein gesellschaftlicher Ausgleich stattfindet.

„Glaubt an Allah und Seinen Gesandten und spendet von dem, was Er euch zur Verfügung gestellt hat. Denn denjenigen von euch, welche glauben und spenden, ist großer Lohn bestimmt.“

(Koran, 57:7)

Im Koran wird darauf hingewiesen, dass die Armen und Bedürftigen ein Anrecht am Besitz und Wohlstand der Reichen haben. Die Bedeutung des Infak stellt sich in der Idee zur Schau etwas Gutes tun zu wollen und dafür den Entschluss (niyya) zu fassen. Absolute Solidarität mit den Bedürftigen ist der Kerngedanke von Infak. Darauf machen auch diese Koran-Verse aufmerksam, die außerdem auf die Eigenschaften guter Muslim*innen hinweisen:

Sie schliefen nur einen Teil der Nacht. Und im Morgengrauen baten sie um Verzeihung. Und von ihrem Vermögen war ein Teil für den Bittenden und den verschämten Armen.

Koran, Sura 51, Verse 17-19

Der Mensch ist fürwahr als unbeständig erschaffen:
Wenn ihm Schlimmes widerfährt, ist er weinerlich.
Wenn ihm jedoch Gutes widerfährt, ist er knausrig.
Nicht so die Betenden,
Die im Gebet verharren,
Und von deren Vermögen ein Teil
Für den Bittenden und den verschämten Armen bestimmt ist.

Koran, Sura 70, Verse 19-25

Spenden als Kernbotschaft des Koran

Im Koran wird der Begriff Infak in mehreren Versen verwendet. Oftmals wird der Begriff als „spenden“ oder „ausgeben“ verwendet. Solche Formulierungen finden sich in etwa 70 weiteren Stellen im Koran. Interessant für das Verständnis des Infak ist besonders der zweite Vers der Sura al Baqara [2:3] im Koran. Dort heißt es:

Die da glauben an das Verborgene und das Gebet verrichten und von Unserer Gabe spenden:

Koran, Sura 2, Vers 3

Das Spenden, also Infak, wird nach dem Glauben und dem Gebet erwähnt. So soll die Stellung dieses wichtigen Gottesdienstes innerhalb des Islam deutlich gemacht werden.

Warum und wie Infak?

In den Versen 261 – 274 der Sura Al Baqara wird ausführlich dargelegt, wozu der Infak gut ist, was sein Ziel ist und mit welchen Waren, Gütern und Spenden geholfen werden kann. Selbst die Art und Weise der Zuwendung wird geklärt. Entsprechend der Verse können folgende Punkte festgehalten werden:

  • Infak sollte von der Zurschaustellung entfernt, ausschließlich getätigt werden, um das Wohlgefallen Allahs (swt) zu erreichen.
  • Spendende dürfen die Ehre und die Moral des Spendenempfängers nicht verletzen.
  • Die getätigte Hilfe sollte, wenn nicht Geld gespendet wird, immer mit den guten und besten Waren und Gütern erfolgen.
  • Damit der Infak auch die wahren Bedürftigen erreicht, sollte man diese vorher selbst ermitteln – gerade im eigenen Umfeld.

Auf dem Wege Allahs (swt)

In Vers 195 der zweiten Sura heißt es „Infak auf dem Wege Allahs“. Schaut man sich weitere Verse an, wird deutlich, dass mit diesem Infak vor allem der Gehorsam gegenüber Allah (swt) gemeint ist. Ebenfalls ist damit gemeint, Islam und Muslim*innen durch Hilfe und Spenden zu helfen.

Ein Blick in die Geschichte der Muslime zeigt: Die Form des Infak reichte von der Unterstützung zur Verteidigung des Vaterlandes, der Organisation von Pilgerfahrten (Hadsch), der Unterstützung von Bedürftigen, Schulen, Bibliotheken, Moscheen, Straßen, Brücken, Brunnen sowie Heime. Auch Investitionen in den Umweltschutz wurden als eine Form des Infak verstanden.

Erst die eigene Familie, dann die Gesellschaft

Muslim*innen sind zuallererst dazu angehalten, ihre eigene Familie zu unterstützen und ihren Verdienst und ihr Vermögen im Sinne und auf dem Wege Allahs (swt) zu nutzen. Erst wenn die Versorgung der Familie gewährleistet ist, kann man angehäuftes Vermögen mit anderen Teilen.

Vorbild ist auch hier der Prophet Muhammad (saw), der wo immer er konnte, verwitweten Frauen und verwaisten Kindern half. Der Kalif Umar (ra) hat diese Praxis der Hilfe für die Bedürftigen unter anderem als Pflicht der öffentlichen Hand deklariert. Ebenso wurde diese Pflicht zur Solidarität mit den Schwachen auch eine soziale Säule des Osmanischen Reiches.

Weitere Gedanken zum Thema aus dem Koran

Ihr werdet echte Frömmigkeit nicht erlangen, ehe ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt; und was immer ihr spendet, siehe, Allah weiß es.

Koran, Sura 3, Vers 92

(Spendet besonders) für die Bedürftigen auf Allahs Weg, die daran gehindert sind, für sich selbst zu sorgen. Der Unwissende hält sie wegen ihrer Bescheidenheit für ausreichend begütert. Du erkennst sie aber an ihrem Auftreten. Sie betteln die Leute nicht an. Und was ihr an Gutem spendet, Allah weiß es.

Koran, Sura 2, Vers 273

Sprich: „Siehe, mein Herr versorgt von Seinen Dienern, wen Er will, im Überfluss oder in Maßen, und was ihr spendet, wird Er euch ersetzen. Und Er ist der beste Versorger.“

Koran, Sura 34, Vers 39

O ihr, die ihr glaubt! Spendet von dem Guten, das ihr erwarbt, und von dem, was Wir für euch aus der Erde hervorkommen lassen. Und sucht darunter nichts Schlechtes zum Spenden aus – etwas, das ihr selber nicht nehmen würdet, ohne dabei ein Auge zuzudrücken. Und wisset, dass Allah unabhängig und des Lobes würdig ist.

Koran, Sura 2, Vers 267

Weitere Gedanken zum Thema aus der Sunnah

Prophet Muhammad (saw): „Die gebende Hand ist besser als die nehmende.“

Bukhari; Muslim

Der Gesandte Allahs (saw) sagte: „Wenn jemand etwas von dem, was er rechtmäßig erworben hat, und sei es auch nur im Wert einer Dattel, als Sadaqa gibt – und Allah nimmt nur das rechtmäßig Erworbene an -, von dem nimmt sie Allah mit Seiner rechten Hand an und vermehrt sie für ihn, wie wenn jemand ein Fohlen aufzieht, bis diese Sadaqa (groß) wie ein Berg wird.“

Bukhari; Muslim

Quellenhinweis: Aufzeichnungen für den Islamunterricht mit Jugendlichen. Teilweise große Überschneidungen mit Aufsatz von Mustafa Çağrıcı in der Enzyklopädie des Islam der Diyanet Stiftung, Band 22, S. 289–290 (Artikel ist umfassender, liegt leider bisher nur in türkischer Sprache vor). Koranübersetzung, wenn nicht anders angegeben: Übersetzung nach Max Henning.

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