Fasten ist keine Angelegenheit, die man auf die leichte Schulter nimmt. Als Muslim*innen muss man den Ernst der Lage verstehen. Fasten ist eine gottesdienstliche Handlung (ibada). Ebenso wie andere Gottesdienste ist auch hier die Absicht eine wichtige Voraussetzung, um diesen Gottesdienst überhaupt für das Wohlgefallen Allahs (swt) tun zu können. Wer fastet, ohne vorher seine Absicht richtig gefasst zu haben, der fastet nicht für Allah (swt).

Grundsätzlich fasten Muslim*innen immer von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang.

Niyya

Mit ihrer Niyya (Absichtserklärung) bringen Muslim*innen zum Ausdruck, dass sie fasten möchten. Zwar ist es in diesem Fall nur ausschlaggebend was man im Herzen trägt, trotzdem sollte man die Niyya in Worte fassen. Dies wirkt zum einen motivierend, zum anderen macht man sich die eigene Absicht bewusster. Dies könnte beispielsweise so aussehen: “Hiermit fasse ich die Absicht (Niyya) am morgigen Tag des Ramadan zu fasten.”

Aber auch durch konkludentes Verhalten kann man seine Absicht zum Ausdruck bringen. Wer also nachts vor dem Schlafengehen sich fest vornimmt am nächsten Tag zu fasten und hierfür auch in den frühen Stunden vor der Morgendämmerung aufstehen will, der hat sozusagen seine Niyya, seine Absicht bezeugt.

Niyya rechtzeitig fassen

Um fasten zu können, muss die Niyya an dem Tag, an dem man fastet, spätestens kurz vor der Morgendämmerung, gefasst worden sein. Nach der Morgendämmerung ist die Niyya ungültig und somit muss man den Tag, den man versäumt hat, nachholen. Wieder gilt, dass wer in der Nacht aufgestanden ist, sich konkludent verhalten hat.

Man kann seine Niyya auch bereits nach dem Sonnenuntergang vor dem nächsten Tag fassen. Es ist erlaubt beispielsweise das Fasten zu beenden und gleichzeitig schon die Absicht zu haben, am nächsten Tag des Ramadan erneut zu fasten.

Sahur

Für Muslim*innen ist zudem die Zeit vor der Morgendämmerung sehr wichtig. Sie wird im Allgemeinen als Sahur bezeichnet. Es ist empfohlen nachts aufzustehen und eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen und zu trinken, um Kraft für das Fasten am Tage zu haben. Allahs Gesandter, Prophet Muhammed (saw) sagte diesbezüglich: 

“Esst während des Sahur, denn das Essen zu dieser Zeit ist segensreich.”

Riyad us Salihin Band 2 S. 495

Diese Zeit hat zudem eine spirituelle Bedeutung. Es ist die Zeit in der die Wünsche der Menschen, die als Bittgebete (dua) aufgesagt werden, angenommen werden sollen. Wer also zum Sahur aufsteht sollte auch ein Bittgebet aufsagen, in welchem er beispielsweise um Vergebung für seine vergangenen Sünden bittet.

Iftar

Wer schließlich sein Fasten durchgehalten hat und am Abend sein Fasten beenden kann, der fühlt sich stark und glücklich. Die größte Belohnung aber steht den fastenden Muslim*innen nach ihrem Tod zu. Unser geliebter Prophet Muhammed (saw) sagte hierzu:

„Für den Fastenden gibt es zwei glückliche Momente: Der erste Moment ist Iftar, der zweite, wenn er seinem Schöpfer gegenübersteht.“

Hadith-Sammlung Et-Tergib ve Et-Terhib Band 2 Seite 81

Und nun muss man natürlich noch klären, was Iftar ist. Iftar meint das Beenden des Fastens nach Sonnenuntergang. Die meisten Muslim*innen gönnen sich zu dieser Zeit zunächst eine Kleinigkeit (beispielsweise eine Dattel) und beten zuerst das Abendgebet und Essen danach. Meistens wird das Essen vorgezogen und das Gebet danach verrichtet. Es unterscheidet sich von Kulturkreis zu Kulturkreis.

Nicht mit dem Essen beim Iftar übertreiben

Wichtig ist, dass man es mit dem Essen auf keinen Fall übertreiben sollte. Fasten kann sogar ungesund sein, wenn man sich beim Iftar einfach nur grauenvoll vollstopft. Es sollte immer normale Portionen zu essen geben und man sollte immer nur so viel Essen, dass man nicht zu satt ist.

Übrigens: Auf das Wort „Fastenbrechen“ sollten Muslim*innen nach Möglichkeit verzichten. Dies ist eine deutsche Übertragung für Iftar, der ich keiner Weise zustimmen kann. Muslim*innen brechen ihr Fasten nicht, sondern beenden es. Außerdem ist das Wort „brechen“ negativ behaftet, weil es an „erbrechen“ oder „Erbrochenes“ erinnert. Ein negatives Framing einer so wichtigen muslimischen Lebenspraxis sollte deshalb unbedingt vermieden werden.

Bittgebet für den Iftar

Es ist Sunna zur Iftar-Zeit folgendes Bittgebet (dua) zum Iftar zu sprechen: “Allahumme leke sumtu ve bike amentu ve aleyke tevekkeltu ve ala rizkike eftartu ve savmelgadi min schehri ramazane neweytu fagfirli ma kaddemtu wa ma ahhartu”

Bedeutung: „Oh Allah, um dein Wohlgefallen zu erlangen habe ich gefastet, an dich geglaubt, dir vertraut. Mit deinen Gaben habe ich mein Fasten beendet und für den morgigen Ramadan-Tag meine Niyya vollzogen. Vergib mir meine vergangenen und zukünftigen Sünden.“

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