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Sterbekasse: Wieso Werbung für eine (islamische) Bank in einem Spendenbrief nichts zu suchen hat

Eine muslimische Sterbekasse schickt den jährlichen Brief mit der Aufforderung für die Kostenbeteiligung an seine Mitglieder. Darin enthalten: Ein Werbebrief für eine vermeintlich islamkonforme Bank. Eine Kritik anhand eines echten Fallbeispiels aus der muslimischen Verbandslandschaft.

Man überlegt sich ja zweimal, ob man überhaupt einen solchen Text schreiben soll, weil die eigentlich angesprochenen begriffsstutzig und lernresistent sind. Das zeigt zumindest die Erfahrung der letzten Jahre. Aber genug des persönlichen Bashings, uns soll es heute um die Sache selbst gehen. Ich finde dieses Thema muss nämlich auf den Tisch, weil ich eben die gleiche Rückmeldung auch von verschiedener Seite erhalte. Es wird nur nicht öffentlich darüber gesprochen. Von einer offenen Diskussionskultur ist man an vielen Ecken noch weit entfernt. Deshalb ergibt es Sinn, zumindest über die Fehler zu sprechen.

Der Fall ereignete sich bereits kurz vor dem Ende des vergangenen Jahres. Ein sog. Bestattungshilfeverein (Sterbekasse) hat ihren jährlichen Brief verschickt. Sterbekassen gibt es in Deutschland mehrere. Am bekanntesten sind natürlich die der Verbandsmuslime. Das Prinzip von Sterbekassen gleicht dem einer Versicherung, wobei es sich um keine Versicherung im klassischen Sinne handelt. Es geht um eine Aufteilung von Kosten bei Bestattungen und Überführungen. Teilweise kann ein solcher Verein sogar als gemeinnützig eingestuft werden, was auch steuerliche Vorteile mit sich bringt.

Der Hintergrund ist schnell erzählt: Sterben kostet viel Geld. Ein Bestattungsunternehmen verlangt für verschiedene Formen der Bestattung unterschiedlich viel Geld. Dazu kommen Besonderheiten, die vor allem im muslimischen Milieu vorhanden sind. Verstorbene wollen oft in ihren Herkunfts- oder Heimat-Ländern bestattet werden. Immer mehr Muslime lassen sich zwar in Deutschland beerdigen aber der Wunsch nach Überführung ist weiterhin stärker ausgeprägt – aus unterschiedlichsten Gründen.

Sterbekassen als Vereine für Muslime organisiert mit sozialen Funktionen

Eine Sterbekasse kann beispielsweise als Verein organisiert sein und teilt unter seinen Mitgliedern die Kosten für Bestattungen eines gesamten Jahres auf. Entsprechend zahlen die Mitglieder im Jahr nur einen Bruchteil der entstandenen Kosten. So wird die Gesamtlast auf viele verschiedene Köpfe verteilt. Das System funktioniert auch solange gut, solange es genügend Mitglieder gibt und viele jüngere Mitglieder folgen. Deshalb sprechen Sterbekassen gleich die gesamte Familie an. Ehepartner und Kinder werden in vielen Fällen gleich mitversichert und das meist sogar kostenlos.

Außerdem können Sterbekassen auch eine soziale Funktion in muslimischer Mission übernehmen. Beispielsweise werden in Deutschland viele verstorbene Menschen ohne Verwandte und Angehörige, aus Kostengründen in Krematorien eingeäschert. Eine Urnenbestattung kostet weniger als eine Bestattung mit Sarg. Entsprechend versuchen Sterbekassen auch bei solchen einsamen Muslimen, die eben eingeäschert werden sollen, die Kosten für eine religiöse Bestattung mitzuübernehmen – obwohl diese nicht Mitglied in der Sterbekasse waren.

Was in Briefen steht, die von Sterbekassen versendet werden

Kommen wir aber zurück zu dieser einen Sterbekasse. In dem jährlichen Brief wurde erklärt, wie hoch die Kostenbeteiligung ist, die in diesem Jahr (2020) zu entrichten sei. Außerdem wurde mitgeteilt, dass die Zahlungen bis spätestens Anfang Februar eintreffen sollten, weil sonst der Versicherungsschutz flöten gehen könnte. Personen die am Lastschriftverfahren teilnehmen sollten sich hingegen darum kümmern, dass Geld auf ihrem Konto verfügbar ist. Das übliche Geschwätz in solchen Briefen halt.

Garniert werden solche Briefe – nicht in diesem Fall – mit Fotos aus religiösem Kontext und dazugehörigen Koran-Versen oder Zitaten vom Propheten Muhammed (saw). Marketing aus muslimischer Sicht bedeutet auch immer einen passenden Slogan und eine passende religiöse Quelle oder ein religiöses Zitat mitzubedienen. Das hat der besagte Spendenbrief so weit nicht (mehr) getan. Der Unterschied war jedoch, dass ein Flyer eingefügt wurde, der eine gezielte Werbung darstellt – für ein anderes Unternehmen – mit einem speziellen Angebot für die Mitglieder dieser Sterbekasse.

Werbung für eine Bank – Ethische Fragen werden aufgeworfen

Während der Verein, um die Zahlung der Kostenbeteiligung bat, wurde Werbung für die Kontoeröffnung bei einer Bank gemacht. Das Angebot war außerdem direkter auf die Kundschaft der Sterbekasse ausgerichtet, beispielsweise weil die Fremdsprache der meisten Mitglieder in der Sterbekasse in dem Werbematerial verwendet wurde. Außerdem wurde das wertkonservative Spektrum mit einem passenden Slogan angesprochen. Aus dieser Werbung ergeben sich teilweise jedoch Fragen, die auch ethischer Natur sind.

Beispiele: Wenn die Sterbekasse Werbung für eine Bank macht, erhält sie dann als Gegenleistung dafür Geld? Was passiert mit diesem Geld? Wird es eventuell auch für die Bestattung der toten Muslime verwendet? Entlastet dieses Geld die Mitglieder bei der gesamten Zahlungssumme? Ist es vertretbar, mit dem Werbegeld einer Zins-basierten Bank einen Muslim zu bestatten? Wenn Mitglieder der Sterbekasse über eine Finanzierung dieser Bank zur Aufnahme von Zinsen bewogen werden, wer trägt am Ende die religiöse Verantwortung? Welche Instanz entscheidet, was religiös erlaubt ist und was nicht? Wer beaufsichtigt die Bank aus islamischer Sicht?

Islamic Banking ist in den meisten Fällen nur eine Mogelpackung

Interessant ist ja, dass im Bereich des „Islamic“ Banking stets behauptet wird, dass man Zinsen vermeide und es nur islamkonforme Lösungen (halal) im Produktportfolio gäbe. Tatsächlich zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass Angebote solcher Banken nur einen Ersatz des klassischen effektiven Jahreszinses darstellen, den andere Banken auch noch viel günstiger und zu sichereren Konditionen anbieten.

Auch der oft vorgetragene Aspekt des „Ethischen Bankings“ oder auch „Social Bankings“ entpuppt sich vielfach als Täuschung. In der Sache geht es allen Banken dieser Welt nur um eines: Profit. Tatsächlich wird mit Konzepten wie „Islamic“ „Ethisch“ oder „Social“ das bekannte „Greenwashing“ betrieben. Es wird so getan, als sei man mit seinem gesamten Portfolio eine durchweg gute Bank, die verantwortungsvoll handelt.

Fragwürdiges Marketing und Fehleranalyse

Eine weitere Frage ergibt sich aus dem Kontext des fragwürdigen Marketings. Wenn man Menschen um die Bezahlung einer Rechnung oder um eine Spende bittet, dann macht man nicht gleichzeitig Werbung für ein weiteres Angebot des eigenen oder eines fremden Unternehmens. Das ist nicht nur eine verstärkte Informationsflut, sondern auch ein Ablenken vom eigentlichen Thema. Gerade in solch sensiblen Bereichen wie des Todes erscheint Werbung für eine vermeintlich islamkonforme Bank, in meinen Augen, durchweg pietätlos.

Insofern eignet sich dieses Beispiel hervorragend auch darzustellen, was aktuell so schiefläuft in vielen Bereichen des organisierten Islam in Deutschland. Neben der Ausnutzung religiöser Gefühle, werden Nebengeschäfte aufgebaut, die nicht unbedingt dem ursprünglichen und eigentlichen Anliegen dienen, sondern einen Nebenverdienst darstellen. Insofern verkommt der religiöse Dienst an der Bevölkerung zu einer Ausnutzung religiöser Gefühle, um des Profits willen.

Einen Ausweg aus einer selbst verschuldeten Unmündigkeit gibt es nicht so einfach. Die Selbstzerstörung wird fortgeführt, bis es am Ende gewaltig kracht. In diesem speziellen Fall könnte vor allem das Finanzamt genauer hinschauen, weil der Verein – aus meiner Sicht heraus – Gelder eingenommen hat, die gar nicht aus dem Satzungszweck heraus begründ- und dienbar sind. Das liegt aber am Ermessen der Behörden und zuständigen Stellen.

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