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Murad Wilfried Hofmann verstorben

Murad Wilfried Hofmann ist nach längerer und schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie am Sonntag (12. Januar 2020) verstorben. Der ehemalige deutsche Botschafter, NATO-Informationsdirektor und Intellektuelle war Ehrenmitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD).

„Wir verlieren mit Murad Wilfried Hofmann einen brillanten Denker, einen Gelehrten und eine Persönlichkeit von Weltenrang, ein Vorbild und Inspirationsquelle für viele Menschen über Generationen hinweg. Bruder Murad hat sich in so vielen Arbeiten um den ZMD, um die Muslime in Deutschland, um die Muslime und Menschen in vielen Ländern auf der Welt in höchster Weise verdient gemacht“, erklärte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek in einer am Sonntag (12.01.2020) veröffentlichten Pressemitteilung zum Tod seines Freundes und Weggefährten. Hofmann hinterlasse eine große Lücke. Man werde sein Andenken in Ehren halten, versprach Mazyek.

Wer war Murad Wilfried Hofmann?

1931 in Aschaffenburg geboren, machte Hoffmann sein Abitur und ging mit einem Stipendium zu einem Erststudium in die USA. Danach studierte er zwischen 1951 und 1958 Rechtswissenschaften (1. und 2. Staatsexamen, Promotion sowie Assistenz für Zivilprozessrecht) in München. Von 1959 bis 1961 studierte er an der renommierten Harvard Law School in Massachusetts.

Auch der Kunst war Hofmann nicht abgeneigt. Er war beispielsweise von 1954 bis 1980 als Ballettkritiker für verschiedene internationale und renommierte Fachzeitschriften unterwegs. Er fungierte außerdem zwischen 1971 und 1973 als Dozent für Ballettgeschichte und Ästhetik am Kölner Institut für Bühnentanz. Sein Wissen darüber hatte er sich in Kindheitstagen und an der Schule bereits erworben.

Seine wichtigste berufliche Laufbahn hatte Hofmann allerdings im Auswärtigen Dienst. Er arbeitete von 1961 bis 1994 u. a. während des Unabhängigkeitskrieges in Algier (1961) sowie als deutscher Botschafter in Algerien und Marokko (1987-1994). Darüber hinaus war Hofmann als Leiter des Referats „Nato und Verteidigung“ im Auswärtigen Amt beschäftigt (1979-1983) und als Informationsdirektor der NATO in Brüssel (1983-1987) aktiv. Für seine Verdienste erhielt Murad Wilfried Hofmann 1984 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Leben als Muslim

1980 nahm Hofmann den Islam als seinen Din an und entschied sich für die Beinamen „Murad Ferid“. Er nahm zweimal am Hadsch teil und führte mehrfach die kleine Pilgerfahrt (Umra) durch. Hofmann veröffentlichte nach seiner Konversion mehrere Bücher und Aufsätze zum Themenfeld Islam. Dies sorgte auch immer wieder für Kontroversen, weil er zum Zeitpunkt vieler Veröffentlichungen weiterhin für den deutschen Staat arbeitete und mit seinen Thesen aneckte.

Ab 1994 hielt Hofmann verschiedenste Vorträge in Europa, den USA und muslimisch geprägten Ländern. Zeitweise wurden hunderte Vorträge registriert und auch in Sammelbänden später öffentlich gemacht. 2009 zeichnete ihn das Staatsoberhaupt des Emirats Dubai als „Islamische Persönlichkeit des Jahres“ aus. 2009, 2010, 2011, 2017 wurde er in der Liste der weltweit 500 wichtigsten muslimischen Persönlichkeiten des Prinz-al-Walid-bin-Talal-Zentrums für muslimisch-christliche Verständigung der Georgetown University und des Royal Islamic Strategic Studies Centre von Jordanien aufgeführt.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen folgende Bücher:

  • Tagebuch eines deutschen Muslims
  • Der Islam als Alternative
  • Reise nach Mekka
  • Islam 2000
  • Der Islam im 3. Jahrtausend
  • Der Koran (Übersetzung und Ergänzung zum Werk von Max Henning)

Eine jüngere Biografie wurde von Ecevit Polat im Jahr 2017 (Amazon Partner-Link) veröffentlicht.

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