From The Blog

Meinung: Sufi Soul Festival

  

Ich werde immer wieder gefragt, was ich vom Sufi Soul Festival welche vom 17. – 18. Juli 2010 in der “Osmanische Herberge” stattgefunden hat, halte. Hintergrund ist eine aus der Sicht von konservativen Muslimen unangemessene Form des Dhikr.

Um diese Sache wirklich genau beurteilen zu können, braucht es aus meiner Sicht fundierte Kenntnisse über Tasawwuf im Ganzen und über den Orden der hinter der Osmanischen Herberge steckt. Denn einfach so aufgrund von Handlungen die einem nicht angemessen erscheinen und die im krassen Widerspruch zum eigenen Verständnis vom Islam stehen ist es eben nicht.

Vom 17. – 18. Juli 2010 haben sich in der “Osmanischen Herberge” Muslime aus allen möglichen Orten Deutschlands getroffen und ein buntes Programm, von Musik bis Gottesdienst erlebt.

Die Osmanische Herberge wird vom Sufi Hassan Dyck geleitet und untersteht dem Orden der Naqschibandi Tariqa von Muhammad Nazim Adil al Haqqani, der wohl vielen besser unter dem Namen “Scheich Nazim” bekannt sein dürfte. Dieser Ordensführer lebt auf Zypern und hatte in der Vergangenheit mit diversen Aktionen und Erklärungen von sich reden gemacht.

Unter anderem erklärte Scheich Nazim George W. Bush und Tony Blair für ihren Einmarsch in den Irak und den Kampf gegen den Terror zu Heiligen. Auch diverse Empfänge von Papst Johannes Paul des Zweiten und die ihm gezeigte Ehrerbietung sorgten immer wieder für Kritik.

In Deutschland wird die Richtung von der “Haqqani Trust – Verein für neue Deutsche Muslime” vertreten. Sie ist Mitglied im “Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland”.

Die Naqshibandi Tariqa ist eine große Organisation mit diversen Richtungen. Unter diesen Richtungen ist die von Scheich Nazim was den Dhikr angeht, viel lockerer als andere Sufi-Orden. So ist es bei dieser Richtung schon seit Jahren gang und gäbe, dass Frauen und Männer gemeinsam Dhikr machen. Der Dhikr wird zudem nicht still, sondern laut veranstaltet. Das Drehen und tanzähnliche Bewegen sind elemantarer Bestandteil des Gedenken an Allah.

Diese Form des Dhikr war auch auf dem Sufi Soul Festival zu beobachten und wurde von vielen Teilnehmern bildlich festgehalten. Spekulationen wonach Männer und Frauen Arm in Arm gemeinsam Dhikr verrichtet hätten entsprechen allerdings nicht der Wahrheit. Vielmehr ist es wohl so gewesen, dass Frauen einen Außenkreis gebildet haben und in einem inneren Kreis die Männer waren.

Das mag für einen normalen Muslim ungewöhnlich erscheinen und vielerorts wird solch eine Form des “Gottesdienstes” zu Recht als unislamisch kritisiert.

Aber dieser Richtung komplett den Glauben abzusprechen ist aus meiner Sicht weiterhin nicht maßvoll. Man sollte vielmehr auch mal versuchen die Meinung von Scheich Nazim zu solchem Verhalten einzuholen, statt gleich von Anfang an anzunehmen, dass sei falsch und unislamisch und deshalb seien Menschen die so etwas tun Ungläubige und fehlgeleitet.

Denn Fakt ist auch, dass Scheich Nazim selbst, bei aller angemessenen Kritik an seiner Person und manchen Verlautbarungen, solche Formen des “Vergnügens” selbst nicht befürwortet. Vielmehr handelt sich oftmals um die Jünger (Mürid) die solche Dinge tun und sich dabei auf ihren Scheich berufen. Auch ist nicht gänzlich zu klären, ob diejenigen die in dieser Art und Weise dort herumgetanzt haben, wirklich dem Orden von Scheich Nazim zuzurechnen sind. Fakt ist nämlich auch, dass es Deutschlandweit wohl ca. 5000 Menschen gibt, die diesem Orden angehören und die Veranstaltung Sufi Soul Festival eher von Nicht-Ordens-Mitgliedern aufgesucht wird.

Tasawwuf, also die sogenannte islamische Mystik, ist eine komplizierte Angelegenheit und insgesamt immer mit Vorsicht zu genießen. Heutzutage nennt sich quasi jeder einen Sufi, aber das wahre Sufi-Tum begnügt sich mit Bescheidenheit und hält die persönliche Zugehörigkeit zu einem Orden geheim.

Man kann durch das Verhalten Einiger auf einer einzigen Veranstaltung nicht auf eine komplette Gemeinschaft schließen. Schon gar nicht erlaubt es sich über Sufis im Allgemeinen herzuziehen, denn viele Sufis lehnen diese Form des Dhikr strikt (und aus meiner Sicht zu Recht) ab. Vielmehr sollte der Dialog und Streit intern gesucht werden. Nur ablehnen, ohne über den Sinn und Unsinn zu diskutieren ist leicht, aber genau auf diese Art und Weise diskriminiert man Menschen. Wir sollten das Gespräch suchen und für Aufklärung arbeiten. Das kann aber nicht gelingen, wenn man den Menschen den Glauben abspricht, weil einem das komplett zuwider ist.

Weitere Artikel zum Thema:

Tags: 

  1. Ibn Rainer 31. Juli 2010 at 11:22 #

    As-salamu alaykum,

    in einem bekannten Sufi-Forum hat man sich mit der Begegnung Nazim-Papst auseinandergesetzt. Recht interessant…
    http://www.ahlu-sunnah.de/foren/showthread.php?t=3746

Leave a Reply